Versorgung von Brandwunden

Die Beurteilung und Einstufung von nicht-komplexen Brandverletzungen

von: Mölnlycke Health Care, Oktober 26 2012Beiträge: Versorgung von Brandwunden

Fowler A. Nursing Times. 2003; 99(25): 46-47.

Einleitung

  • Eine Verbrennung oder Verbrühung ist immer belastend und schmerzhaft, auch wenn es sich um eine leichte Verletzung handelt. Das Leben von Patienten mit nicht-komplexen Verletzungen wird durch Schmerzen, Wundverbände und der Angst vor Entstellung beeinträchtigt, ähnlich wie bei Patienten mit komplexeren Verbrennungsverletzungen.
  • Bevor eine Verbrennungsverletzung behandelt werden kann, muss sie vollständig bewertet und eingestuft werden.

Ziele

  • Bereitstellung praktischer Leitlinien für die Beurteilung und Einstufung von Verbrennungen. Enthält Details zu dem Referenzkriterium des National Burn Care Review Committee (NBCRC) aus dem Jahr 2001. Geht den Leitlinien zur Behandlung von Verbrennungen 1. Grades und Verbrennungen des Grades 2a voraus.

Schlüsselergebnisse

  • Die Behandlung von Patienten mit nicht-komplexen Verbrennungen erfolgt meist durch das Pflegepersonal. Bei der Behandlung sollte besonders auf die Verbeugung oder Reduzierung des Infektionsrisikos geachtet werden, auf die Schmerzlinderung, die topische Wundbehandlung und eine gute Patientenaufklärung.
  • Patienten mit oberflächlichen Verbrennungen können ambulant in Unfallstationen und Notaufnahmen, in kleineren Unfallkliniken, Ambulanzen und Hausarztpraxen behandelt werden, anstatt in Spezialzentren.

Beurteilung des Verbrennungsgrads


Die primäre Beurteilung der Schwere einer Verbrennung basiert auf klinischen Beobachtungen und der Anamnese des Patienten. Sie beinhaltet die Einschätzung folgender Aspekte:

  • Betroffene Gesamtkörperoberfläche (total body surface area - TBSA).
  • Tiefe der Gewebsschäden (siehe Kasten 1).

Bestimmung der Gesamtkörperoberfläche

  • Die Gesamtoberfläche einer Verbrennung ist von Bedeutung, da die Haut der Umwelt gegenüber als Schutzbarriere fungiert – ohne sie besteht für den Patienten das Risiko einer Infektion und des Verlusts von Körperflüssigkeit.
  • Verbrennungen, von denen über 15 % TBSA bei Erwachsenen oder über 10 % bei Kindern, oder Menschen über 70, betroffen sind, können zu einem Schock führen und erfordern eine stationäre Behandlung mit intravenösem Flüssigkeitsersatz und intensiver Verbrennungsbehandlung.
  • Die TBSA kann auf unterschiedliche Art und Weise berechnet werden. In Großbritannien verwendet das medizinische Fachpersonal zu ihrer Berechnung meist die Neuner-Regel, bei der der Körper eines Erwachsenen in 9 Abschnitte unterteilt wird.
  • Für Kinder wurde eine genauere Formel entwickelt, die ermöglicht, Unterschiede in der Körpergröße von Kindern mit einzubeziehen (Lund and Browder, 1944).
  • Eine einfache Daumenregel bei der Ermittlung der TBSA besteht darin, die Handfläche des Patienten mit geschlossenen Fingern als rund 1 % seiner TBSA anzusehen. Dies kann für die Beurteilung von kleinen Verbrennungen oder bei Notfällen nützlich sein.
  • Bei der Ermittlung der prozentualen Gesamtkörperoberfläche, die von einer Verbrennung betroffen ist, sollte bedacht werden, dass einfache Erytheme nicht mit einzuschließen sind.

Beurteilung der Tiefe

  • Die Fähigkeit der Haut, sich nach einer Verletzung zu regenerieren, hängt von der Tiefe der Wunde ab.
  • Von Verbrennungen 1. Grades und des Grades 2a sind lediglich die Epidermis und die papilläre Dermis betroffen. Es kommt zu roten, mit Serum gefüllten Blasen, wobei die Röte beim Fingerdrucktest verschwindet. Die Verbrennung schmerzt stark und reagiert empfindlich auf Berührung und Luftzug. Die Heilung erfolgt innerhalb von 10-14 Tagen, nahezu ohne Narbenbildung.
  • Verbrennungen des Grades 2b oder tiefe dermale Verbrennungen zeichnen sich durch den Verlust der Epidermis und unterschiedlicher Tiefenbereiche der Dermis aus. Die Verbrennung kann rosa und weiß erscheinen und die Röte verschwindet beim Fingerdrucktest oder auch nicht (abhängig vom Ausmaß der Gewebsschädigung).
  • Der Patient empfindet unterschiedliche Schmerzgrade; bei einem Prick-Test mit einer Nadel kann der Patient das spitze Ende meist nicht von dem stumpfen Ende unterscheiden.
  • Wenn Haarfollikel vorhanden sind, sind auch die Epithelzellen noch vorhanden (wie auch die Schweißdrüsen), wodurch eine Regeneration des Gewebes möglich ist. Die Heilung kann innerhalb von 10-14 Tagen erfolgen. Verbrennungen des Grades 2b können heilen, wenn sie vor Infektionen geschützt werden; allerdings wird es zu einer Narbenbildung kommen und die Reepithelialisierung kann bis zu 5 oder 6 Wochen dauern.
  • Bei Verbrennungen 3. Grades liegt ein Verlust der Epidermis und der Dermis vor. Diese Art von Verletzung erfordert eine Hauttransplantation.

Nicht-komplexe Verbrennungen

  • Als nicht komplexe oder leichte Verbrennungen gelten Verbrennungen, die nicht mehr als 5 % der TBSA eines gesunden Menschen in körperlich guter Verfassung im Alter von 5-60 Jahren betreffen, wobei es sich in Bezug auf die Tiefe maximal um Verbrennungen des Grades 2a handeln darf.
  • Eine Verbrennung bei einem Erwachsenen, die 5-10 % seiner TBSA betrifft, erfordert keine Hauttransplantation.
  • Es sind deutliche, oberflächliche Erytheme vorhanden.
  • Tiefe Verbrennungen (nicht elektrischer Art) mit einem Durchmesser von unter 2,5 cm am Rumpf, an den Armen oder am Bein.
  • Verbrennungen bei Kindern, die weniger als 1 % ihrer TBSA betrifft.
  • Es ist zu erwarten, dass diese Art von Verbrennungen innerhalb von 10 Tagen bis 3 Wochen ausheilt.
  • Wenn Zweifel an der Art, der Schwere oder der Tragweite der Verletzung bestehen, sollte das Personal den fachlichen Rat der Station für Verbrennungen oder für plastische Chirurgie einholen. 
  • Auf Grund sozialer Umstände oder vorhandener Krankheiten, wie einer gleichzeitig bestehenden Atemwegs- oder Herzerkrankung, kann die Aufnahme des Patienten in eine spezialisierte Station (Station für Verbrennungen oder für plastische Chirurgie) erforderlich sein.
  • Das toxische Schocksyndrom ist sehr selten, kann zum Tode führen und tritt als Komplikation bei Verbrennungen auf, auch bei nicht-komplexen Verbrennungen bei Kindern. Wenn hinsichtlich einer Verbrennungsverletzung eines Kindes jeglicher Grund zur Sorge besteht, sollte es noch am Tag des Unfalls auf eine Station für plastische Chirurgie verlegt werden.

Komplexe Verbrennungen


Die britischen Leitlinien für Verbrennungsverletzungen beinhalten Kriterien für die Behandlung von Verbrennungen in einer Spezialstation für Verbrennungen (NBCRC, 2001).
Eine Verbrennungsverletzung wird mit großer Wahrscheinlichkeit als komplex eingestuft, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Das Alter des Patienten liegt unter 5 Jahren oder über 60 Jahren.
  • Es handelt sich um eine Verbrennung 2. oder 3. Grades bei einem Kind unter 15 Jahren, die über 5 % der TBSA oder über 10 % im Falle eines Erwachsenen betrifft.
  • Die Verbrennung betrifft besonders wichtige Körperteile – Gesicht, Hände, Perineum oder Füße.
  • Die Verbrennung betrifft Flexuren, besonders den Nacken oder die Achselbereiche.
  • Es handelt sich um eine umlaufende Verbrennungsverletzung 2. oder 3. Grades der Extremitäten, des Rumpfs oder des Halses.
  • Es handelt sich um eine Inhalationsverbrennung.
  • Die Verletzung beinhaltet einen oder mehrere dieser Faktoren: chemische Verbrennungen von über 5 % TBSA, ionisierende Strahlung, Hochdruck-Dampf, Verbrennungen durch Starkstrom, Fluorwasserstoffsäure auf über 1 % der TBSA, Verdacht auf vorsätzliche Verbrennungen.
  • Wenn eine Verbrennung bei Personen mit Atemwegs- , Herz- oder immunologischen Erkrankungen, schwangeren Frauen oder Personen mit Begleitverletzungen wie Frakturen, Kopf-, Quetsch- oder penetrierenden Verletzungen auftritt.

(Kasten 1 einfügen – Charakteristika einer Verbrennungswunde, S. 47)

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